Geschichte: Über Josel von Rosheim

Inspiriert von einem Artikel in einer ZeitGeschichte Ausgabe (6/2021), habe ich mich dazu entschlossen über Joselmann Ben Gerschon Loans (kurz: Josel von Rosheim) zu schreiben. Mit den verfügbaren Quellen stelle ich sein Leben vor und sein Wirken.

Mit diesem Eintrag beginnt auch eine neue Kategorie in meinem Blog, in der ich auch über weniger bekannte Persönlichkeiten schreibe (ältere Einträge, die dies bereits gemacht haben, fallen somit nun auch in diese Kategorie – Englische zählen auch dazu).

Bild von Pixabay

Biographie


In seinen Memoiren, den ersten eines deutschen Juden, befindet sich keine Nachricht bzw. Informationen zu seiner Jugend und Schulbesuch. Auch über seine Familie berichtete er nicht. Seine Familie stammte jedoch vermutlich von Louhans in Frankreich, und geboren wurde er wahrscheinlich im Jahre 1478. Er starb vor dem 06.04.1554 in Rosheim (Elsaß).
Die in annalistischer Form gehaltene Memoiren enden im Jahr 1547.

Karte von Frankreich, die Familie stammte wohl aus der Region Bourgogne-Franche-Comtè in der das Arrondissement Louhans liegt

Anhand eines eigen erstellten Zeitstrahls (mehr oder weniger ein Strahl) sind hier die aufgezeichneten Ereignisse während seiner Lebzeit abgebildet (bzw. seine Aktivitäten für die jüdische Gemeinschaft).

Das Amt, dass er innehabte ab 1529, war keine Ernennung von Kaiser des Heiligen Römischen Reiches weshalb Josel von Rosenheim auch weder Abgaben entrichten musste noch – wie es beim Reichsrabbiner der Fall war – mit den Judenabgaben betraut wurde.

Er selbst war Kaiser Karl V. treu ergeben und erhielt im Jahr 1544 die Bestätigung der frühen kaiserlichen Privilegien. Im Jahr 1551 folgte der Schutz vor fürstlichen und städtischen Übegriffen sowie Milderung der harten Bestimmungen gegen Juden.

Der Begriff für die Position die er innehielt hieß „shtadlan“ und er begann seine Karriere während der Herrschaft von Kaiser Maxmilian I. und währte bis weit in die Herrschaft von Kaiser Karl V.

Hintergrund zum Treffen mit Martin Luther:
Am 05. August 1536 erließ der Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen ein Verbot das den Juden nicht erlaubte sich auf sächsischem Territorium aufzuhalten. Josel von Rosheim wollte beim Kurfürsten vorsprechen um sein Edikt zu überdenken.
Daraufhin wendet sich Josel and Luther, wie es bei ZeitGeschichte erklärt wird:
„In dieser Situation wendet Josel sich an Martin Luther. Er hofft auf ihn, unter anderem, weil Luther 1523 in seiner Schrift „Dass Jesus Christus ein gebornerer Jude sei“ deutliche Kritik an der mittelalterlichen Dämonisierung des Judentums geübt hat. Sollte diese Haltung den Reformator nicht veranlassen, der Vertreibung der jüdischen Gemeinden entgegenzutreten?“

Die Ablehnung des Treffens und Luther’s zunehmender Antisemitismus bezeugen, so der Artikel weiter, seine wachsende Erbitterung an der jüdischen Bevölkerung da diese sich nicht seinem Wahrheits- und Missionsanspruch des reformatorischen Christentums unterwerfe. Sein Brief an Josel schrieb er auch sehr harsch und rechtfertigte sich mit der Behauptung, dass die Juden sein frühes Engagement „schändlich missbraucht“ hätten und sich den Christentum gegenüber „auf unerträgliche Weise“ (vgl. S. 42) verhielten.

Erfolglos reiste er somit Richtung Elass, doch aufgegeben hat er nicht. Bei einer Versammlung von Abgesandten des Kaisers und der protestantischen Stände in Frankfurt 1539 deckte Luther’s Mitstreiter Philip Melanchthon die unrechte Verdächtigung von Juden im märkischen Hostienschändungsprozess auf (dessen Folge ein Progrom war an dem 38 von ihnen starben und alle anderen ausgewiesen wurden). Josel nutzte diesen Moment um mit der Hilfe von Melanchthon erst den brandenburgischen und dann dem sächsichen Vetreibungsbann auszusetzen – dies hatte Erfolg, wenn auch nur für ein paar Jahre.

In den darauffolgenden Jahren wird ihm die Judenfeindschaft Luther’s bewusst und kurz nach dem erscheinen von Luthers Lügen-Schrift (1543) schrieb er eine Petition an den Straßburger Magistrat (ist: Verwaltungsbehörde/Stadtverwaltung) in der er von der Gefahr warnte die von diesem Werk für die jüdische Bevölkerung ausgehe. Sein Einspruch zeigte Wirkung und führte zum Verbot Luthers Schriften in dem Hoheitsgebiet des Straßburger Magistrat (allerdings weigerte sich dieser für die jüdische Untertanen bei den verbündeten Fürsten und Städten einzutreten).

Zur Referenz herangezoomt um zu zeigen wo Straßburg im Heiligen Römischen Reich lag

Zuletzt, aus der digitalen Biographie von Josel von Rosenheim:
„Besaß [Josel] gegenüber der Landjudenschaft des Unterelsaß die Banngewalt, so wirkte er im Reich den Juden gegenüber ausschließlich durch die Kraft der Überzeugung als Befehlshaber der Judenschaft. Er vertrat ihre Interessen mit hinreißender Beredsamkeit und war mit der Gabe ausgestattet, auf Menschen aller Stände in seinem Sinne einzuwirken. Er war sein ganzes Leben hindurch immer wieder auf Reisen zum Wohl derer, die sich ihm anvertraut hatten. Er bemühte sich, die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden des Reiches den geänderten Verhältnissen des Frühkapitalismus anzupassen. Gleichzeitig war er bestrebt, die religiösen und wirtschaftlichen Spannungen zwischen Juden und Christen zu verringern, auch auf Kosten der Juden, wenn es sein mußte.“

Zwar wurden jüdische Geldgeber an absolutistischen Höfen gerne gesehen, doch der Großteil der Juden lebte in Armut, wurden ausgegrenzt oder des Landes verwiesen.
Durch die Vertreibungen von Region zu Region im Heiligen Römischen Reich, oder Land zu Land in Europa, war auch zwangsläufig – für die wo es konnten – ein Aufbau eines Verbindungsnetzwerk von großer Bedeutung. Hilfe gab es folglich ebenso untereinander in der jüdischen Gemeinschaft. Falls Sie sich mal gefragt haben warum die europäischen Juden so weitverstreut leben – dies ist zurückzuführen auf Jahrhunderte und Jahrtausende der Verfolgung, Ausgrenzung und Ausweisung.

Ende

Ich hoffe mein Eintrag war wieder informationsreich und wissenswert. Bei Fragen, Ergänzungen oder konstruktiver Kritik wissen Sie was zu tun ist.

Quellen

ZeitGeschichte – Epochen. Menschen. Ideen. (06/2021)
Jüdisches Leben in Deutschland – Zwischen Selbstbehauptung und Verfolgung
(S. 42-43)

Deutsche Biographie – Josel von Rosheim
https://www.deutsche-biographie.de/gnd118713094.html#ndbcontent

Karte des Heiligen Römischen Reichs (1400)
https://www.wikiwand.com/de/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich

Karte von Louhans, Frankreich
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Locator_map_of_Arrondissement_Louhans_2019.png

Name seiner Position und andere Informationen
https://www.britannica.com/biography/Josel-of-Rosheim

Veröffentlicht von thomasbaroque

Ich schreibe über politische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Themen. Meine eigenen politischen Ziele ebenso. / I write about politics, the economy and science (my English isn't that good, though). My own political goals and ideas as well.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: